Personalien

Wenn Du etwas erzählen oder Grüße loswerden möchtest bist Du hier richtig.
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 13241

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 15. Nov 2014, 10:54

25 Jahre Mauerfall
Süßigkeiten faszinieren Siebenjährige


Diana Mischke kann sich noch gut an 9. November 89 erinnern
Diana Mischke war sieben Jahre alt, als die Mauer 1989 fiel. Noch heute erinnert sie sich an ihr damaliges Empfinden.
von Antje Brüggerhoff


Wangerooge - „Meine erste Süßigkeit war Yogurette“. Diana Mischke strahlt, denn daran kann sie sich noch ganz genau erinnern. Süßigkeiten waren für sie nicht immer selbstverständlich. Diana Mischke stammt aus Leipzig. Sie war sieben Jahre alt, als am 9. November 1989 die Mauer fiel.

„Ich kann mich an einiges nicht mehr so genau erinnern, ich war ja noch ein Kind“, erzählt Diana Mischke, die zusammen mit sieben Geschwistern in der DDR aufwuchs. „Aber das Empfinden und die Gefühle, als die Mauer damals geöffnet wurde, habe ich nicht vergessen.“

Sie weiß, dass ihre Mutter von dem Ereignis 1989 im Radio oder im Fernsehen hörte. „Dann sagte sie sofort ‚die Mauer ist offen, wir müssen nach Berlin‘“. Gemeinsam mit ihren Geschwistern fuhren Diana Mischke und ihre Mutter im Zug nach Berlin, um sich die Stadt anzusehen. „Die Menschenmengen waren irre. Um in die Züge zu gelangen, kletterten die Leute auf die Dächer und durch das Fenster“, erinnert sie sich. Nur mit Mühe konnte man in den Zügen stehen und es blieb kaum Luft zum Atmen. Manchmal wurden dort sogar Kinder vergessen. „Alle wollten sofort nach Berlin“, erzählt Mischke.

Am Bahnhof in Berlin bildete sich eine lange Schlange, da jeder Besucher Begrüßungsgeld bekam. Davon kaufte Diana Mischke mit ihrer Familie Orangen und Bananen, die von einem LKW herunter verkauft wurden. „Das war damals etwas Besonderes“, so Mischke. „Obst hatten wir uns sonst immer nur aus den Gärten geholt. Wir kletterten auf Bäume, das hat immer viel Spaß gemacht.“

Neben der Auswahl an Obst bewunderte sie die vielen Süßigkeiten sowie Saft und Milch in Tetrapaks – das war für Diana Mischke gänzlich neu und spannend. Doch abgesehen von diesen neuen Dingen hatte sie nicht viel Freude in Berlin – ganz besonders nicht am Doppelstockbus-Fahren. „Ich weiß noch genau, dass ich dann zu meiner Mutter gesagt habe: Ich will jetzt nach Hause, hier sind mir zu viele Menschen.“

Was für ein politisches und historisches Ereignis die damals als Siebenjährige miterlebt hat, war ihr zu dieser Zeit noch nicht so bewusst. „Aber ich spürte die Freude der Erwachsenen, auch die meiner Mutter. Und diese Freude ist dann auch auf mich übergeschwappt.“

Und auch einige Veränderungen hat Mischke wahrgenommen: „Vorher fühlten wir uns ‚aufgefangen‘: Wir haben in der Schule zusammen gesungen, hatten Nachmittagsunterricht, wir bekamen sogar Freigetränke wie Milch, und die Ärzte kamen in die Schule, um uns zu untersuchen oder Impfungen zu geben.“

Nach dem Fall der Mauer änderte sich das auch für die Kinder spürbar. „Man konnte zum Beispiel irgendwie freier sprechen“, so Mischke. Zudem gab es keine Freigetränke mehr, man sah viele andere Autos auf den Straßen, das Fernsehprogramm hatte sich geändert und es gab eine größere Auswahl an Lebensmitteln. „Trotzdem haben wir aber eines immer beibehalten: Wir kletterten immer noch gerne auf die Bäume in Gärten, um ums Obst zu holen“, erinnert sich Diana lachend.

Seit neun Jahren lebt Diana Mischke nun auf Wangerooge
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 2. Dez 2014, 11:48

Menschen
Ein Leben wie Ebbe und Flut


Ehepaar Niepmann bietet Trauerseminare mit Insel-Atmosphäre an
Das Leben hat Höhen und Tiefen – damit kennt sich das Ehepaar Niepmann aus. Gemeinsam wollen die beiden trauernden Menschen helfen.
von Antje Brüggerhoff

Wangerooge/Dortmund - Das Leben ist wie das Meer: Während es in der einen Sekunde noch ruhig und still ist, so kann es schon in der nächsten aufbrausend und wild werden. Wie das Meer durchlebt ein Mensch Höhen und Tiefen wie Ebbe und Flut. Und wie das Meer Strandgut anschwemmt, so kann auch das Leben etwas zum Vorschein bringen.

„Strandgut ist in seinem Zustand nicht das, was vorgesehen war, und auch einige Menschen denken: So hatte ich mir das Leben nicht vorgestellt“, weiß Gabriele Floer-Niepmann. Zusammen mit ihrem Ehemann Hans-Paul Niepmann bietet sie Trauerseminare auf Wangerooge an. Auch sie beide haben persönliche Erfahrungen mit Trauer. Ihnen wurde damals geholfen – nun wollen sie anderen Menschen helfen.

Verschiede Trauer-Arten

Gabriele Floer-Niepmann und Hans-Paul Niepmann wohnen in Dortmund und arbeiten in einem Heim als Sterbe- und Trauerbegleiter. Beide kennen zwei Arten von Trauer: Den „Akutfall“, wenn beispielsweise kürzlich jemand aus der Familie oder im Bekanntenkreis verstorben ist. Und die so genannte „Lebenstrauer“, die auftritt, wenn ein Mensch ein trauriges Ereignis aus der Vergangenheit noch nicht verarbeitet hat. Häufig komme die „Altlast“ erst zum Vorschein, wenn noch ein Akutfall hinzukommt, weiß Gabriele Floer-Niepmann.

So denken Trauernde, dass es ihnen aufgrund des Todesfalls nicht gut geht, doch dann komme noch viel mehr zum Vorschein – oft ein Ereignis, das weit in der Vergangenheit liegt. „Eine Altlast tragen die Trauernden häufig im wahrsten Sinne des Wortes auf ihren Schultern, sie können körperliche Symptome wie Nackenschmerzen hervorrufen“, weiß die Trauerbegleiterin. Bis die betroffenen Personen aber dahinter kommen und sich mit der Trauer konfrontieren, kann einen langen Weg erfordern.

Gabriele Floer-Niepmann verdeutlicht das so: „Man kann es sich wie ein Haus vorstellen. Oft stehen die Menschen mitten im Raum und sehen gar nicht, was in den Ecken versteckt ist.“ Wenn sie aber ein Trauerseminar besuchen, haben sie den ersten Schritt schon getan: Sie konfrontieren sich mit der Trauer. „Die Teilnehmer müssen aber keine Angst haben, dass wir alte Wunden aufreißen“, betont Hans-Paul Niepmann. „Wir bauen nur auf dem auf, wozu jeder bereit ist. Und jeder in der Gruppe hat dafür Verständnis.“

Das Paar besucht zwar regelmäßig Fortbildungen, aber beide betonen, dass sie keine Therapeuten sind. „Wir können uns mit normaler Verlusttrauer auseinandersetzen“.

Seit acht Jahren bieten Niepmanns die Trauerseminare auf Wangerooge an. Sie kennen die Insel gut, da sie dort schon seit vielen Jahren ihre Ferien verbringen. Wangerooge eigne sich nicht nur durch die Überschaubarkeit für die Seminare.

Besondere Atmosphäre

Gerade die Umwelt, die Natur und alles rund um die Insel könne metaphorisch gesehen werden und eine Hilfe für die Trauernden sein, haben die Niepmanns festgestellt. In den Seminaren arbeiten sie mit der Frage „Wer ist mir mein Leuchtturm?“, aber auch „Für wen bin ich der Leuchtturm?“

Denn manche trauende Menschen vergessen, was sie anderen Menschen bedeuten und dass sie überhaupt von Bedeutung sind. „Jeder Mensch ist wertvoll und wird es auch bleiben“, sagt Gabriele Floer-Niepmann. Deshalb richten sie den Fokus auf die Stärken des jeweiligen Menschen, denn die können Mut-Macher sein.

In den Seminaren werden unter anderem Bilder gemalt. „Das Wort ist die oberste Ebene. Die Menschen sind zu sehr trainiert und überlegen, was sie sagen sollen und dürfen – aus ihnen spricht der schlaue Geist“, meint Gabriele Floer-Niepmann. „Aber wenn man malt, dann kommt das aus tiefster Seele.“ Bilder verdeutlichen, wie sich Menschen fühlen – und sie zeigen Veränderungen auf.

Aber auch das Singen sei eine gute Möglichkeit. „Es gab einmal eine Gruppe, die sehr gerne so genanntes ,heilsames Singen‘ anwandte“, erzählt Gabriele Floer-Niepmann. Dabei kann man die Augen schließen, sich bewegen und einmal nicht darüber nachdenken, was die anderen möglicherweise davon halten. Man könne sich einfach „fallen lassen“.

Das Alter der Teilnehmer lag bisher zwischen 42 und 85 Jahren. Unterschiedliches Alter sei wichtig, da man dadurch einen unterschiedlichen Reifegrad in der Gruppe wahrnehmen könne. Die Trauernden können sich untereinander austauschen und voneinander lernen. „Aber auch wir selbst lernen immer wieder dazu“, sagt Gabriele Floer-Niepmann.

Die Seminare sind offen für Insulaner und Gäste. Das nächste Seminar findet im September 2015 statt. „Profit schlagen wir daraus nicht. Wir wollen den Menschen nur helfen“, sagt Gabriele Floer-Niepmann.

Weite Informationen zum Trauerseminar unter Tel. 0231/49 40 177 oder im Internet:

   www.aufbrechen-zum-leben.de
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 20. Dez 2014, 21:23

Ingo Gebhard kommt ins Hafenmuseum

Finissage mit Fotograf

20.12.2014




Eine der Arbeiten des Fotografen Ingo Gebhard.

+

© Mediengruppe Kreiszeitung

Eine der Arbeiten des Fotografen Ingo Gebhard.

.

Fotografie: Kaum hat das neue Jahr angefangen, endet die Ausstellung – so ist es jedenfalls Bremer Hafenmuseum (Speicher XI, Überseestadt). Dort endet „Meer-Menschen“, eine Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Ingo Gebhard, der heute in Berlin lebt, aber auf der Nordseeinsel Wangerooge aufgewachsen ist. Seit September war die Schau zu sehen, bis November sollte sie ursprünglich dauern, und nun dauert sie bis Anfang Januar. Termin der Finissage: Sonntag, 4. Januar 2015, 16 Uhr.






Was prägt sie, die Menschen, die am Meer leben, an der Nordsee? Gebhard hat fotografische Antworten auf diese Frage gesucht. „Man sieht einem Gesicht das Meer an“, sagt er.

In der Ausstellung „Meer-Menschen“ verbindet Gebhard Schwarzweißporträts von Küstenbewohnern mit Panoramaaufnahmen der Nordseelandschaft. Ein Bildband gehört ebenfalls zu diesem Projekt. Fünf Jahre hat Gebhard daran gearbeitet, das Meer auf den Gesichtern der Menschen mit seiner Kamera einzufangen. Gebhards „Meer-Menschen“ stammen größtenteils aus Friesland, einige bekannte Gesichter sind darunter – so zum Beispiel der Abenteurer und „Eisfuchs“ Arved Fuchs, die „Surf-Zwillinge“ Jürgen und Manfred Charchulla und der Komiker Otto Waalkes.

Charakterköpfe, deren Gesichter „die Lebensbedingungen ihrer Heimat reflektieren“, heißt es im Hafenmuseum zu den Arbeiten. Und weiter: „Dabei reduziert Ingo Gebhard auf das Wesentliche, zeigt die Menschen ungeschönt und ohne ihre Gesichter nachträglich zu bearbeiten.“ Mithin: „Keine Falte und kein Härchen bleiben dem Betrachter durch die kontrastreichen Schwarzweißaufnahmen verborgen.“ Zur Finissage am 4. Januar wird Gebhard selbst erwartet, so Claudia Seidel vom Hafenmuseum.
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 11. Aug 2016, 08:48

-aus NWZ-

Porträt
Ein Leben mit mehr als einer Berufung


Schwester Anselma feiert an diesem Donnerstag im Kloster Marienhain in Vechta 100. Geburtstag





Schwester Anselma, der „Engel von Wangerooge“, feiert an diesem Donnerstag ihren 100. Geburtstag im Kloster in Vechta.
Bild: Anuschka Kramer



Ihre Liebe zu Gott, das Leben im Orden und ihr Beruf haben Schwester Anselma geprägt. Sie wollte den Menschen helfen – und tat es.


Vechta/Wangerooge - Wie viele Babys sie auf die Welt geholt, Wöchnerinnen und Kranke gepflegt und Menschen in der Stunde ihres Todes beigestanden hat, weiß Schwester Anselma gar nicht mehr. Es waren einfach zu viele, um sie zu zählen, und doch sind sie nicht vergessen. „Jeder Mensch, jeder Moment war besonders“, resümiert sie. An diesem Donnerstag feiert sie im Kloster Marienhain in Vechta ihren 100. Geburtstag.

„Meine Ohren sind nicht mehr so gut, die Augen auch nicht“, sagt sie und ergänzt schmunzelnd: „So ist das halt mit dem Alter.“ Doch ihr Kopf ist klar und der Rollstuhl, in dem sie sitzt, stört sie auch nicht mehr so sehr. Die Lebenslust zu verlieren, das ist wohl nicht ihre Art. Kaum, dass sie nicht mehr ihrer Leidenschaft, dem Lesen, nachgehen konnte, schwenkte sie auf Rommé Cup um und spielt seitdem regelmäßig. „Es macht Spaß“, sagt sie.

Und doch, eines fehlt ihr: Ihr Beruf als Krankenschwester, der wie ihr fester Glaube an Gott und ihr Leben im Orden mehr Berufung denn einfach ein Beruf war.

Schwester Anselma wurde am 11. August 1916 als Josefa Kestermann geboren, wuchs in Leer/Westfalen als Schwester von zwei Brüdern auf, ging acht Jahre zur Volksschule und wechselte dann nach Vechta zur Liebfrauenschule.

Nach dem Abitur lebte sie ein halbes Jahr daheim, bevor sie sich entschloss, dem Orden „Schwestern Unserer Lieben Frau“ beizutreten. „Meine Mutter wollte das nicht“, erinnert sich Schwester Anselma. Doch sie wollte – und folgte ihrem eigenen Wunsch.

Engel von Wangerooge

Seit 28. August 1937 gehört sie zum Orden, ist der Orden ihre Familie. Am 8. April 1938 erfolgte ihre Einkleidung im Kloster Mülhausen, am 27. März 1940 legte sie ihr erstes Gelübde ab, um dann von 1940 bis 1941 ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin in Köln zu absolvieren. Ihr Traumberuf, wie sie gesteht, auch wenn sie so mancher lieber als Lehrerin gesehen hätte. Sie habe den Menschen helfen wollen.

Der Zweite Weltkrieg bestimmte das Leben und Schwester Anselma arbeitete von 1941 bis 1944 im Lazarett von Mülhausen mit, versorgte als Kranken- und Operationsschwester mit ihren Mitstreitern Hunderte von Verletzten, „während die Front immer näher kam“, erinnert sich die 100-Jährige.

Als der Orden das Lazarett nicht mehr betreuen durfte, erfolgte 1944 ihre Versetzung nach Wangerooge ins „Haus Meeresstern“. „Ich wollte da nicht hin, nicht auf eine Insel“, gesteht sie. Doch sie hatte keine Wahl, und ihre Hilfe wurde gebraucht.

Die Gräuel des Krieges machten auch vor Wangerooge nicht Halt. Der schwere Angriff von 1945, unzählige Tote und Schwerverletzte. Sie habe mitentscheiden müssen, wer noch operiert und wer nicht mehr gerettet werden konnte. Betreuung am Fließband, Tag und Nacht standen ihre Mitstreiter und sie den Verwundeten bei, bis der Krieg vorbei war und das Leben neue Wege ging.

Seit neun Jahren an Land

Wangerooge wurde Schwester Anselmas Zuhause, nachdem sie am 27. Januar 1945 noch in Ahlen ihr ewiges Gelübde abgelegt hatte. Sie kümmerte sich um die Alten und Kranken, half bei Geburten, stand jungen Müttern und Sterbenden bei. Für ihren Einsatz und ihre Nächstenliebe wurde sie 1980 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und bekam im Lauf der Jahre von so manchem Bewohner der Insel den Namen „Engel von Wangerooge“ verliehen.

Erst mit 91 Jahren verließ sie die Insel, um im Mutterhaus ihres Ordens der „Schwestern Unserer Lieben Frau“ in Vechta ihren verdienten Ruhestand zu verbringen. Kein leichter Schritt, die Insel war ihr ans Herz gewachsen, ihre Heimat geworden. Doch schlussendlich fand sie auch in Vechta wieder ein Zuhause.

Noch heute pflegt sie auch den Kontakt zu ihrer Familie. Ein Bruder überlebte den Krieg, gründete eine Familie und bekam neun Kinder. Neun Nichten und Neffen, die ihrerseits für eine wachsende Familie sorgten und Schwester Anselma auf diesem Weg neben ihrer Familie im Orden eine zweite bescherten.

Wer heute alles zu ihrem Geburtstag in Vechta vorbeischaut, um zu gratulieren, das weiß die 100-Jährige nicht. Aber sie freut sich auf diesen besonderen Tag. „100 Jahre, das ist schon was.“
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 18. Nov 2016, 13:42

Atze wird 90 :P
-aus NWZ-
Hans-Jürgen Jürgens 90 Jahre alt



Wangerooge
Ohne ihn wäre auf Wangerooge vieles in Vergessenheit geraten: Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens feiert an diesem Freitag, 18. November, seinen 90. Geburtstag.
Seit Jahrzehnten setzt sich Hans-Jürgen Jürgens mittlerweile dafür ein, das Mosaik der Inselgeschichte zusammenzusetzen: Fünf Bände der Inselchronik hat er veröffentlicht. Darüber hinaus setzte er sich für den Erhalt des Alten Leuchtturms als Wahrzeichen ein, sorgte dafür, dass der Lazarettbunker an der Jadestraße als Museum genutzt werden kann, hat sich an der naturnahen Gestaltung des Süddeichs beteiligt und seit 1954 die Insel mit 24 000 Bäumen und Sträuchern aufgeforstet.


Darüber hinaus war Hans-Jürgen Jürgens von 1964 bis 1972 Ratsmitglied und ist Mitbegründer des Bürgervereins, war in der Kantorei und im Posaunenchor und der Freiwilligen Feuerwehr. 2010 wurde Jürgens mit dem Friesland-Taler geehrt, 2012 erhielt er die Niedersächsische Forstmedaille.

Gratulieren unter   www.nwz-glueckwunsch.de 
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 17. Dez 2016, 12:54

Zehn Seemeilen und neun Tonnen später
Antje Brüggerhoff
Die Fähre fährt zwischen Harlesiel und der Nordseeinsel Wangerooge. Langeweile? Kennt die Besatzung überhaupt nicht.
Wangerooge/HarlesielBenjamin Hardy steht an der Gegensprechanlage auf der Kommandobrücke. „Leggo“, spricht er hinein und erklärt den Landratten: „Das heißt: Leinen los.“ Es rauscht kurz, dann ertönt eine Antwort. „Schrauben klar“. Auf das Zeichen hat Benjamin Hardy gewartet. „Jo, nun geht das los.“


Benjamin Hardy ist seit etwa zwei Jahren Kapitän auf der Fähre MS Wangerooge, die zwischen der Insel und Harlesiel fährt. Dem 34-Jährigen gefällt es dort. „Ich bin zwar auch schon bis nach Brasilien gefahren – aber das hier ist familientauglicher.“ Denn eine Hin- und Rückfahrt dauert etwa zwei Stunden – für gut zehn Seemeilen, also 20 Kilometer. „Und abends kann ich zurück zu meiner Familie.“
Während der Abfahrt steht Benjamin Hardy noch allein auf der schmalen Kommandobrücke. Schnell huscht er hinaus, auf einen äußeren Anbau. „Hier sind auch ein paar Steuerfunktionen. Beim An- und Ablegen hab ich draußen alles besser im Blick.“ Aber ein großes Steuerrad? Von wegen. Hardy bewegt nur einen Hebel von der Größe eines kleinen Fingers hin und her. Hier und da schiebt er auch mal einen Schalter, einen Maschinentelegrafen, nach vorn- oder nach hinten. „Damit bewege ich Ruderflosse und Wasserstrahlen – gut zum Manövrieren.“ Ist die Fähre einige Meter vom Anleger entfernt, geht Hardy wieder in das Steuerhaus. „Nun geht es auch von hier aus.“
Da kommt der Rest der Schiffsbesatzung über die schmale Treppe hinauf auf die Kommandobrücke. Auf der MS Wangerooge müssen immer fünf Mitglieder an Bord sein, so lautet die Vorschrift: Ein Kapitän, drei Matrosen und ein Maschinist.
„So, für das Ablegen ist der Kapitän zuständig, alles Wichtige machen wir dann jetzt“, sagt Matrose Karl-Heinz „Kalle“ Ressel augenzwinkernd und stellt sich vor die Steuerinstrumente – seinen Blick durch die großen Fenster in die Ferne gerichtet. „Hier sind immer alle ganz locker und wir duzen uns natürlich auch“, fügt Stefan „Bohne“ Bohnsack schnell hinzu. Er setzt sich vor einen Radar-Monitor, auf dem die Strecke sowie Hindernisse und natürlich auch die Tonnen angezeigt werden – auf einer Fahrt muss die Besatzung neun relevante Tonnen beachten. „Haben wir ausreichend Wassertiefe und Sicht, so wie jetzt, können wir auf Autopilot stellen“, sagt Bohne, immer den Monitor im Blick.
Jetzt hat Kapitän Hardy Zeit, die wichtigsten Funktionen zu erklären: Es gibt zwei Funkgeräte, einen Notrufkanal und einen, um mit anderen Kapitänen zu kommunizieren.
Es gibt ein AIS (Automatic Identification System), auf dem die Positionen und Schnelligkeit aller Schiffe in der Nähe sichtbar sind, ein Echolot, das den Wasserstand unter dem Kiel anzeigt, oder auch Schalter für Positionslampen – die vor allem nachts oder bei schlechter Sicht eingeschaltet werden.
Außerdem gibt es einen Kompass und einen Windmesser. „Bei Windstärken im zweistelligem Bereich sollten wir dann besser nicht fahren“, sagt Benjamin Hardy. Und siehe da – es gibt sogar doch noch ein Streuerrad. „Aber nur für den Notfall, wenn wirklich alles andere ausfällt“, meint Hardy und lächelt. Doch dafür müsste schon einiges passieren: Denn jedes wichtige Gerät ist zweimal auf der Kommandobrücke vorhanden – zur Sicherheit.
All die Funktionen gehören zur Grundausstattung eines Schiffes, sagt Benjamin Hardy. „Aber ein Gerät ist einmalig auf der MS Wangerooge: der Bahnfunk.“ Über das Funkgerät hält der Kapitän Kontakt zum Lokführer und den Mitarbeitern am Bahnhof auf der Insel. „So kann uns vorab mitgeteilt werden, wie viele Gäste und wie viele Container auf die Rückfahrt warten.“
Was für Kapitän und Matrosen aber viel mehr zählt als ein einzigartiges Gerät, das ist die einmalige Fahrt. „Jeden Tag sind die Umstände anders. Die Wattfahrt ist schon sehr speziell“, sagt Benjamin Hardy. Langweilig? „Wird es nicht“, meint Kalle sofort – obwohl der 63-Jährige immerhin schon über lange Zeit nach Brasilien, Kanada oder in die USA gefahren ist. „Dafür habe ich hier viel mehr im Umgang mit Menschen gelernt. Ich albere gerne mal mit den Gästen herum – Mensch, was hatten wir schon Spaß.“
Denn die Besatzung bleibt nicht nur in ihrem Bereich, sondern spaziert auch schon mal durch den Salon. Nur andersherum ist es nicht erlaubt: „Hier hat kein Gast Zutritt“, sagt Kapitän Hardy. „Diese Tür zur Kommandobrücke öffnen wir tatsächlich nur zu besonderen Anlässen.“

NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.youtube.com/nwzplay 


Antje Brüggerhoff
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 31. Dez 2016, 10:09

- aus NWZ-
Seenotretter
An 365 Tagen im Jahr einsatzbereit

Seit 42 Jahren ist der 66-jährige Riehl bei der DGzRS. Seit 1985 ist er als Vormann der „Wilma Sikorski“ verantwortlich. Der nasskalte Nebel liegt wie Blei über dem Wattenmeer und will sich partout nicht heben. Ein Wintertag wie oft auf den Ostfriesischen Inseln. Wirklich raus zum Hafen, um dort den Vormann des Rettungsboots zu treffen?

Da kommt eine Viertelstunde vor der vereinbarten Uhrzeit ein Anruf: „Das wird nichts mit uns heute – wir haben gleich einen Krankentransport. Vielleicht morgen.“ Dicker Nebel hält den ADAC-Hubschrauber in Sanderbusch am Boden.
Wenige Minuten später verlässt die „Wilma Sikorski“ den Westanleger mit einem Patienten und Arzt an Bord. „Routine“ – wird Roger Riehl am nächsten Tag mit lässiger Handbewegung diesen Einsatz abhaken. Er ist einer der dienstältesten Vorleute an der Nordsee.
Wangerooges Seenotretter
Gibt es Routine, wenn die „Wilma“ ausläuft, auslaufen muss, um Hobbyskipper aus Seenot zu retten, Fischkutter vor der Strandung zu bewahren oder Kranke von der Insel zum Festland zu transportieren? „Spektakuläre Einsätze haben wir eher selten“, meint Roger Riehl (66) in seiner ihm eigenen Bescheidenheit. 42 Jahre gehört er zur freiwilligen Besatzung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) – Station Wangerooge. Seit 1985 ist er als Vormann verantwortlich und mit weiteren sechs Seenotrettern Tag und Nacht bereit, sich für das Wohl anderer Menschen einzusetzen.
Auf 30 bis 40 Einsatzfahrten kommt die Station Wangerooge im Jahr. „90 Prozent fahren wir für die Freizeitschifffahrt“, berichtet Riehl. Oft haben ortsfremde Skipper Probleme mit der Buhne H, die vom Westkopf der Insel 1,4 Kilometer weit in das Seegatt der Harle ragt und fast ganz unter Wasser verläuft. „Da brummen diejenigen, die sich nicht auskennen oder die Seekarte nicht lesen, immer wieder auf“, verrät der Vormann.
Im Zivilberuf war der gebürtige Insulaner Techniker bei der Kurverwaltung. Als junger Mann fuhr er gelegentlich mit den Hanken-Brüdern, einer Wangerooger Kapitäns-Dynastie, auf Kümos durch Nord- und Ostsee.
In mehr als vier Jahrzehnten hat sich Roger Riehl ausgeprägte Revierkenntnis angeeignet. Dieser Tatsache verdankt unter anderem Dirk Scholz sein Leben. Seine Jolle sinkt im September 2014 zwischen Wangerooge und Spiekeroog. Die Seenotretter bergen den stark unterkühlten Segler, nachdem ein Offshore-Hubschrauber schon eine Viertelstunde die Unfallstelle abgesucht und abdreht hatte, weil der Sprit zu Neige geht.
Die Alarmierung erreicht die Seenotleitung Bremen auf ungewöhnlichem Weg: Die Rettungsleitstelle aus dem sächsischen Grimma informiert die Seenotretter über einen Notruf. Eine Frau hatte berichtet, via Handy von einem Bekannten, der sich derzeit auf Wangerooge aufhält, über einen Seenotfall informiert worden zu sein.
„Ein Netz in der Schraube – das ist für Fischer die Katastrophe schlechthin“, schildert Roger Riehl einen anderen „Routinefall“. Die Kutter der Harlesieler Flotte fischen oft vor der Insel, an den Rändern von veränderlichen Sandbänken und tückischen Riffen. Wenn dann der Antrieb ausfällt, droht die Strandung.
„Jetzt zählt jede Minute“, weiß der Vormann, denn kommt ein Kutter erst einmal auf harten Grund fest, wird es schwierig. Bei Alarm geht es per Geländewagen mit Blaulicht zum Hafen. Auf der „Wilma“ heißt es „Hebel auf den Tisch“ – also volle Kraft voraus. Die 320 Pferdestärken des 6-Zylinder Cummins verleihen dem 9,41 Meter langen Boot eine Geschwindigkeit von 18 Knoten (33 Km/h).
„Spektakulär“ in gewissem Sinne ist auch der Einsatz im Oktober dieses Jahres, als die „Harlingerland“ mit 286 Fahrgästen an Bord vom Weg abkommt und im Wattenmeer auf eine Sandbank brummt. Die Seenotretter holen einen erkrankten Jungen und seinen Vater vom Fährschiff ab – die anderen Passagiere „dürfen“ noch neun Stunden an Bord ausharren, bevor sie den Festlandhafen Harlesiel erreichen.
„Wenn wir gerufen werden, fahren wir raus“, versichert der Vormann, sogar – wie vor einigen Jahren – in der Silvesternacht. Zu seinem Boot hat er absolutes Vertrauen. Jeden Tag fährt Roger Riehl zum Hafen und kontrolliert die Einsatzbereitschaft der Bootes. „Inzwischen habe ich als Rentner ja mehr Zeit“, sagt er lächelnd.
Die „Wilma“ kam 1999 als Neubau und Typschiff dieser Klasse zur Insel. „Die Zentrale hat die Vorleute an der Entwicklung dieses Bootes beteiligt“, erinnert er sich an vier Wochen Aufenthalt auf der Schiffswerft Fr. Schweers in Bardenfleth. Gegenwärtig werden sechs neue Seenotrettungsboote an der Unterweser und in Rostock gebaut. Erfahrungen, die Roger Riehl und seine Kollegen in etlichen Einsätzen gesammelt haben, fließen darin ein.

Der Bremische Verein zur Rettung Schiffbrüchiger, Vorläufer der DGzRS, betreibt die Station Wangerooge. Es gibt ein 20-Fuß-Ruderrettungsboot mit sechs Riemen und einen Rettungsschuppen.
Etwa 500 Meter nordöstlich des Dorfes baut die DGzRS einen neuen Rettungsschuppen.
Die Station bekommt ein neues 8-Meter-Ruderrettungsboot mit dem Namen „Fürstin Bismarck“. Ein Gemälde des bekannten Marinemalers Claus Bergen macht das Boot weithin bekannt.
Das erste Wangerooger Motorrettungsboot heißt „John Köster“.
Die Station wird aufgelöst.
Die Station wird wieder eingerichtet. Am 22. Juli wird das sieben Meter lange Seenotrettungsboot „Gesina“ im Hafen stationiert (liegt heute am Inselmuseum Alter Leuchtturm).
Die Station erhält ein Auto, um die Mannschaft im Einsatzfall zum Westanleger zu transportieren.
Neuen Rettungsschuppen am westlichen Ende des Ortes eingeweiht.
Am 8. Juni Taufe des 9,5-Meter-Seenotrettungsbootes „Wilma Sirkorski“. Es ist das Typschiff einer völlig neuen Bootsklasse
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 5. Jan 2017, 11:24

-aus NWZ-
Keine Angst vor langen Märschen
Antje Brüggerhoff
Morgens um zwei Uhr aufstehen und zehn Kilometer laufen? Für Lea Büchen sicher kein Problem. Sie freut sich schon lange auf die Gelegenheit, zur Bundeswehr zu gehen.
Wangerooge:
Bundeswehr ist nur etwas für Männer? „Ne, überhaupt nicht“, meint Lea Büchen. „Ich interessiere mich jedenfalls schon lange dafür.“ Und deshalb macht die 17-Jährige jetzt auch ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr.
Dafür muss Lea allerdings von Wangerooge bis ganz nach Bogen fahren – das ist in Niederbayern. „Das wird bestimmt erst einmal etwas komisch. Aber ich wollte gerne mal von der Insel herunter – und das ist jetzt meine Chance.“
Gemischte Gefühle
Direkt am Neujahrstag wurde sie deshalb von ihren Eltern nach Bogen gebracht. „Ich habe dabei gemischte Gefühlte“, sagt Mutter Alexandra Büchen kurz vor der Abfahrt. Mit 17 so weit weg von zu Hause und dann auch noch zur Bundeswehr. . . Aber Alexandra Büchen weiß: Ihre Tochter möchte das unbedingt durchziehen.
„Zuerst dachten wir, dass wäre nur so eine Idee, aber dann hat sie sich im Urlaub in der Eifel von ihrem Taschengeld eine komplette Bundeswehrbekleidung gekauft – und ist damit direkt im Wald herumspaziert.“ Das ist jetzt etwa vier Jahre her – aber bis heute Lea den Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen, nie aufgegeben.
Deshalb hat sich die Familie zunächst einmal beraten lassen. „Und schließlich habe ich einen Eignungstest in Hannover gemacht – und wurde ausgewählt.“ Im Test musste sie Fragen beantworten, etwa zur Einstellung zum Nationalsozialismus, aber auch Reaktionstests waren dabei.
Morgens früh aufstehen
Außerdem hat sich ein Psychiater mit Lea unterhalten, um herauszufinden, ob sie dem Druck standhalten würde. „Morgens um zwei Uhr aufstehen und zehn Kilometer marschieren, ein rauer Ton – das muss man ja auch durchhalten können“, meint Lea. Für sie aber kein Problem: „Ich kenn den rauen Ton ja von Zuhause“, sagt sie und lacht.
Ein wenig aufgeregt ist sie aber dennoch, gibt Lea dann zu. „Mir ist schon etwas bange. Aber andererseits freue ich mich auch darauf.“ Und außerdem bekommt sie volle Unterstützung von ihren Eltern. „Lea ist zwar recht ruhig und zurückhaltend und deshalb hab ich auch etwas Angst“, meint Alexandra Büchen. „Aber sie sagt selbst: vielleicht kommt sie da mal aus sich heraus. Darauf sind wir sehr stolz – und wir unterstützen sie, wie wir nur können.“
So auch bei der Fahrt von Wangerooge bis ganz nach Niederbayern. „Natürlich bringen wir sie hin: aber wir dürfen sie nur 100 Meter vor der Kaserne absetzen, nicht weiter“, meint Alexandra Büchen augenzwinkernd, „Aber wenn irgendetwas passiert, dann holen wir sie auch jederzeit wieder ab.“
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Re: Personalien

Beitragvon Salzufler » 30. Jun 2017, 14:30

Naturkundemuseum lädt zu malerischer Reise von der Nordsee in den Pantanal. Pointen zum Schmunzeln und Grübeln
30. Juni 2017 / 02:10 Uhr




Erfurt. Der Eisvogel fliegt von der Staffelei, die Buntspechte zerhacken den Bilderrahmen, ein Tukan beugt sich aus seinem Gemälde, um Trauben zu naschen – die von Harro Maass gemalten Tiere sind so lebendig, dass sie einfach nicht im Rahmen bleiben wollen.
Eine Auswahl seiner Werke zeigt das Erfurter Naturkundemuseum in einer neuen Sonderausstellung. Da schleicht der Jaguar durch den Pantanal-Sumpf in Brasilien, der flüchtige Quetzal mit seinem prächtigen Federkleid sitzt auf einem Ast im Wolkenwald Costa Ricas. Eine Puma-Mutter bewacht ihre Jungen in einer nordamerikanischen Höhle.
„Die exotischen Tiere entspringen nicht meiner Fantasie“, sagt Harro Maass. Bei Reisen durch die Naturparadiese der Erde hat er sie tatsächlich beobachtet und fotografiert. Er sah die Harlekin-Ente in Island, den Blaufußtölpel auf Galápagos und den Löwen in Kenia.


„Einmalig in Europa“ nennt Ulrich Scheit, Kurator des Naturkundemuseums, den Künstler. „Harro Maass ist einerseits ein hervorragender Tierzeichner von nahezu fotografischer Exaktheit“, meint er. „Und dann kombiniert er die Tiere mit verdichteten Lebensräumen und surrealistischen Elementen.“
Viele Bilder haben eine humorvolle oder zum Nachdenken anregende Pointe: Bei seinem Jagdflug über den spiegelglatten See zerreißt der Scherenschnabel-Vogel die Leinwand. Ein verkohlter Bilderrahmen engt den Lebensraum der Sumpfohreule ein. Der Zaunkönig baut sein Nest in einem Stück aufgerollter Tapete.
Maass, Enkel eines Leuchtturmwärters, wuchs auf der Nordseeinsel Wangerooge auf. Zuerst wollte er Vogelwart werden. Doch studierte er Gebrauchsgrafik. Werke aus seiner Zeit als Kunst-Direktor von Werbeagenturen sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen. Haass malte die 25-jährige Milka-Kuh, gestaltete blumige Nivea-Creme-Schachteln und Löwen für den Löwen-Senf.
In den 70er-Jahren wurde er Naturillustrator, der für Magazine tätig war. Der Spiegel, Geo und „National Geographic“ druckten seine Illustrationen. Allein 27 Titel-Grafiken schuf er für „Hörzu“. „Das war in der Zeit, bevor sie nur noch Schauspieler und Sternchen auf dem Titel hatten“, erzählt er.
Aus einer Spendenaktion von Geo stammt auch Maass´ wohl berühmtestes Bild „Rettet den Regenwald“. Über den verkohlten Resten einer Brandrodung tragen zwei schützende Hände den Regenwald mit all seiner Artenvielfalt. Auch die Essenz deutscher Biotope, etwa der Nationalparks Jasmund und Eifel, bannte Maass auf die Leinwand – diesmal im Auftrag des Bundesumweltministeriums.
„Wir sind unheimlich stolz und froh, die ganze Spannweite des Werkes präsentieren zu können“, meint Kurator Ulrich Scheit. Die Ausstellung werde zudem dem Ruf des Museums als Familienmuseum gerecht.
Benutzeravatar
Salzufler
||
 
Beiträge: 4939
Registriert: 01.2011
Wohnort: B. Salzuflen im Lipperland
Geschlecht:

Vorherige

Zurück zu "Plauderecke"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron