Für Nostalgiker

Wer kann eine schöne Geschichte von damals erzählen?
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Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 20. Jan 2011, 17:35

Bei E-bay wird z. Zt. ein Reklameschild der ehem. "Wäscherei Schuberth" offeriert!
Die alte Wäscherei wurde 2007 abgerissen weil sie einem Neubau weichen mußte!
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 24. Jan 2011, 22:02

Alte Bilder

vom
Westturm-Cafe
aus Fam. Gerdes -Zeiten sind auf http://www.ashampoo-erlebniscenter.de/ zu bewunderndern :P

Dazu in der Kopfzeile mal auf Foto - Galerie klicken :idea:
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 1. Jul 2011, 14:42

:arrow: Auf FACEBOOK hat ein "Mitstreiter" einige ALTE Bilder vom Pudding eingestellt :P

Da fühle ich mich gleich wieder in die Kindheit zurückversetzt :!:
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 2. Sep 2011, 09:43

WANGEROOGE –

Wo sind all die alten Schiffe hin
-aus Beiblatt der Whv.-Zeitung v. 22.08.2011-

Wie das so ist,
wenn man mal aufräumt. Da
fällt mir aus der Hinterlassenschaft
meiner Eltern unter anderem
ein altes Foto mit drei
Schiffen auf: Es wurde vermutlich
kurz nach dem Zweiten
Weltkrieg aufgenommen, etwa
um 1949, und zeigt alle drei
Schiffe, die damals im Fähr- und
Frachtverkehr von Harlesiel
nach Wangerooge eingesetzt
waren, die Dampfer „Wangerooge“
(links) und „Friesland“ und
das Motorschiff „Münster“.
Manchem alten Insulaner, der
unzähligen Male die Schiffe
sommers und winters zwischen
Insel und Festland genutzt
hat, mögen bei
diesem Anblick nostalgische
Gedanken kommen.
Wie viele Geschichten
könnten über
sie erzählt werden?
Doch Frage tauchten
auf, machten mich besonders
neugierig: Wo
sind sie geblieben?
Gibt es sie vielleicht
noch irgend wo? Wer
kann mir bei der Suche
und Aufklärung helfen?
Nun, bei solchen
nautischen Fragen fiel
mir spontan Cai Rönnau
ein. Wir kannten
uns aus dem Nautischen
Verein Wilhelmshaven-
Jade und – er war
der 1964 auf Wangerooge
geborene Sohn von Kapitän
Karl Rönnau, der über Jahre
die Schiffe zwischen den Häfen
hin und her gefahren hat. Cai
Rönnau lebt mit seiner kleinen
Familie vor den Toren der Stadt
Wilhelmshaven, er arbeitet freiberuflich
für Schifffahrtsverlage,
seine Fotos nutzen verschiedene
Reedereien an der
Küste. „Inselfähren und Seebäderschiffe
interessieren mich
seit meiner Kindheit“, sagt er.
Mit Cai Rönnaus Hilfe nun
kam teilweise Erstaunliches zu
Tage. Doch nun zur Chronologie.
Das ist zunächst der Dampfer
„Wangerooge“, schon ein Oldie
als das Foto gemacht wurde.
Er wurde bereits im Mai
1905 auf Kiel gelegt, ein Jahr
später für die Großherzoglich-
Oldenburgische Eisenbahn für
den Einsatz zwischen Harle und
Wangerooge in Dienst
gestellt. Im Ersten Weltkrieg
wurde die „Wangerooge“
mit einer Zwillingsrevolverkanone
ausgerüstet und fuhr
für die Kaiserliche Marine
zusätzlichen Wachdienst
im Fahrwasser
der Harle.
Ab 1920 lag der
Dampfer lange in Oldenburg,
wurde von der
Reichsbahndirektion
Oldenburg übernommen.
Ab 1927 dann fuhr das
Schiff wieder im Liniendienst,
zwischen Wilhelmshaven und
Wangerooge-Ostanleger, wechselweise
mit den beiden Dampfern
„Delphin“ und „Stadt Rüstringen“.
1939 wird das Schiff der
Reichsbahndirektion in Münster
unterstellt, es fährt Anfang
1944 im Frachtdienst, einige
Monate als Weserfähre zwi-
schen Blexen und Wesermünde,
ehe es am 15. Dezember
1944 mit dem Hamburger
Dampfer „Oskar Friedrich“ kollidiert.
Die Elsflether Werft repariert
die Schäden zunächst notdürftig,
später komplett. Anfang
1946 übernimmt die Reichsbahndirektion
Oldenburg die
„Wangerooge“ wieder und
schickt sie zurück in den Liniendienst
zwischen der Insel und
Harle.
Auch die Nachfolgeorganisation
Deutsche Bundesbahn
übernahm das Schiff für den
Fährverkehr. Am 6. August
1958 fuhr die „Wangerooge“
zum letzten Mal zwischen Wangerooge
und Harle, danach lag
sie in Harle bis zu ihrem Verkauf
1960 an den Bunkerbetrieb
Büchting in Frankfurt am Main.
Die Schiffsbesatzung überführte
das Schiff am 26. März 1960
„Friesland“ nach Italien verkauft
nach Delfzijl, wo sie von einer
Besatzung des Käufers übernommen
wurde. In Duisburg
wurde es zum Büro- und Bunkerschiff
umgebaut, erhielt den Namen
„Untermain“. Sie wurde
später noch mindestens zweimal
verkauft, als Wohnschiff genutzt
und steht seit 2007 zum
Verkauf. Zum letzten Mal wurde
der Schiffs-Veteran im Oktober
2010 in Bingen am Rhein gesichtet.
Der Dampfer „Friesland“ hatte
längst nicht eine so lange Lebensdauer.
Der im Juli 1941 bei
einer Werft in Hammelwarden
bestellte Neubau – Baunummer
226 – wurde wegen vorhandener
Marineaufträge nicht genehmigt.
So ging der Auftrag nach
Holland an die Schepswerft J.
Bodewes in Martenhoek unter
der Baunummer 1. Stapellauf
war am 19. Oktober 1942, Ablieferung
an die Gemeinde Wangerooge
am 7. Dezember 1943,
fünf Tage später Indienststellung
am 12. Dezember. Bis Ende
1949 fuhr die „Friesland“ in
Charter für die Deutsche
Reichsbahn zwischen Wangerooge
und Harle. Anschließend
wurde sie verkauft an W.
Schoonbeck & Co. in Wilhelmshaven,
wo sie bis Anfang 1952
als Auflieger lag. Nach dem Verkauf
an die Schifffahrts-Gesellschaft
Jade wurde sie im Sommer
auf der Jade zwischen Wilhelmshaven
und Eckwarderhörne
sowie sporadisch für Fahrten
um Helgoland eingesetzt, die
wurden jedoch wegen schlechten
Seeverhalten des Schiffes
nur selten durchgeführt.
1959 wurde das Schiff nach
Italien verkauft an Natale Giuffre
und umbenannt in „Monte Tiberio“.
Sie wurde umgebaut,
um zwischen Neapel und Capri
neben 150 Passagieren auch
mindestens zwei Pkw oder Lkw
zu transportieren. 1963 wurde
sie für die Allauro-Line in Neapel
registriert, 1989 wurde sie
schließlich verschrottet.
Der Lebenslauf des Motorschiffes
„Münster“ ist ähnlich
kurz. 1944 als Flusskanonenboot
„Barbara“ für die deutschen
Flusspioniere begonnen,
blieb das Schiff bei Kriegsende
als Rohbau liegen. 1949 an die
Reichsbahndirektion Münster
verkauft, wurde der Rumpf zur
Schiffswerft H. Peters in Badenfleth
geschleppt und als „Oldenburg“
fertig gestellt. Im Mai
1949 wurde sie nach Wangerooge
überführt und in „Münster“
unbenannt. Sie fuhr als Ersatz
für den alten Dampfer
„Wangerooge“ bis Anfang 1961
zwischen der Insel und dem
Festland.
Hillern Warrings in Carolinensiel
kaufte die „Münster“ für
245 000 D-Mark und nannte sie
in „Harle Siel“ um. Im Stenogramm
weiter: 1968 verkauft
an J. Th. Schmidt nach Nebel
auf Amrum und unbenannt in
„Friesland 1“; 1971 verkauft an
Elbeflug und Einsatz als Geräteträger
zur Erprobung von Rettungsinseln;
1972 verkauft an
H. Schubert in Lübeck und Einsatz
auf der Trave; 1980 verkauft
an M. A. Martyniak & G. Fischer
in Lübeck, umbenannt in
„Piratis“ und Nutzung als Motoryacht;
1982 verkauft an Martha
Lena Linnartz in Hamburg
und umbenannt in „Atlantic I“.
Danach ist über den weiteren
Verbleib nichts bekannt
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 2. Sep 2011, 10:10

Vor Peenemünde
kam Wangerooge

VON JÜRGEN PETERS
-aus Beiblatt der WHV- Zeitung v. 22.08.2011-


WANGEROOGE –
Wer heute den
Namen Peenemünde hört,
denkt auch sofort an Wernher
von Braun. Er weiß beide Namen
verbunden mit der Tod bringenden
Raketentechnik der Nationalsozialisten.
Peenemünde,
dieser nördlichste Ort auf der
Ostseeinsel Usedom mit Amtsverwaltung
in Zinnowitz, ist vielen
Menschen – vor allem älteren
– ein Synonym des Schreckens,
wurden doch hier die berüchtigten
Raketen des Zweiten
Weltkrieges entwickelt und gebaut.
Am 3. Oktober 1942 startete
von hier die erste V2-Rakete
ins Weltall.
Doch vor Peenemünde war in
der Tat Wangerooge. Und der
Weg von der Nordseeinsel Wangerooge
zur Ostseeinsel Usedom
war denn auch – wenn man
den geschichtlichen Hintergrund
der Raketenentwicklung
betrachtet – gar nicht so weit.
Denn da gab es vor gut 80
Jahren auf der Insel Wangerooge
die ersten erfolgreichen Raketenversuche.
Der Mann, der
die Flugkörper entwickelt hatte
und sie dann in den östlichen
Inseldünen und vom Wangerooger
Flugfeld abschoss, war
Reinhold Tiling, ein aufstrebender
Raketenpionier.
Tiling wurde am 13. Juni
1893 im fränkischen Absberg
als Sohn eines Pastors geboren.
Er begann nach dem Abitur
ein Studium des Maschinenbaus
und der Elektrotechnik.
Der Erste Weltkrieg machte ihm
einen dicken Strich durch die
Berufsplanung. Er wurde eingezogen
und meldete sich 1915
freiwillig zur Luftwaffe, die damals
gerade aufgebaut wurde.
Diese „neuartige“ Jagdfliegerei
lag dem jungen Mann, sie war
ganz nach seinem Geschmack.
Nach Kriegsende lies ihn die
Fliegerei nicht mehr los. Er
machte sich als Kunstflieger
einen Namen, seine waghalsigen
Kurvereien am Himmel
machten ihn schnell auch überregional
bekannt. 1926 wurde
Reinhold Tiling Flugleiter des
Osnabrücker Flughafens Netter
Heide. So ganz nebenbei entdeckte
er eine andere Leidenschaft
für sich – die Raketentechnik.
Irgendwann hatte er das
Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“
von Hermann
Oberth – dem bekanntesten Raketenpionier
der damaligen Zeit
– in die Hände bekommen. So
begann Tiling sich 1924 der Raketentechnik
zuzuwenden,
1928 startete er seine ersten
Experimente. Tiling wusste natürlich,
dass sich die anderen
Forscher wie Oberth, Werner
von Braun und Johannes
Winkler auch mit dieser neuen
Technologie auseinander setzten.
Im Gegensatz zu den anderen
drei entschied Tiling sich für
wiederverwendbare Raketenflugkörper.
Sie starteten als Rakete
und landeten mit ausklappbaren
Flügeln. Dieses
Prinzip wurde übrigens bis
jüngst von der NASA für Flüge
des Space Shuttle verwendet.
Tiling erhielt 1928 sein erstes
Patent auf ein „Raketenflugzeug
mit ausschwenkbaren
Tragflächen“ (DRP 509 115).
Die Tragflächen waren in zwei
der vier Leitflossen so eingelassen,
dass sie bei Erreichen der
größten Flughöhe durch einen
Zeitzünder ausgeklappt werden
konnten. So segelte der Flugkörper
anschließend in sanftem
Gleitflug auf die Erde zurück.
Reinhold Tiling erhielt noch
ein zweites Patent: für eine Rakete,
bei der die Leitflossen im
höchsten Flugpunkt so verstellt
wurden, dass sie wie bei einem
Hubschrauber wirkten. Sie ließen
den Flugkörper langsam
und unbeschädigt sinken
Tilings Versuche verschlangen
natürlich eine Menge Geld. Er
fand in Gisbert Freiherr von Ledebur
einen begeisterten Anhänger.
Der stellte Tiling auf seinem
Schloss Ahrenhorst in
Bohmte bei Osnabrück eine
Werkstatt zur Verfügung. Im Juni
1929 führte er mit großem Erfolg
seinen ersten
Flugversuch
vor illustren Vertretern
aus Wirtschaft
und Verwaltung
vor: Die
Rakete erreichte
unter dem Beifall
der Anwesenden
eine Höhe von etwa
1000 Metern.
Die Menge war
begeistert. Der
Versuch überzeugte.
Dr. Adolf Sonnenschein
in Osnabrück, im Weltkrieg der
„Franz“ – so nannte man die Beobachter
in den Flugzeugen hinter
dem Piloten – des Fliegers
Tiling, vermittelte Kontakte mit
der damaligen Marineleitung.
Nach Probeschüssen auf dem
Kruppschen Schießstand in
Meppen erhielt Tiling erste Aufträge
und Finanzierungshilfen.
Das Land Oldenburg stellte ihm
darauf hin auf Wangerooge ein
spezielles Testgelände für Raketenversuche
zur Verfügung.
Hier konnte er seine Starts vor
Fachleuten unter größtmöglicher
Geheimhaltung
durchführen.
Offiziell wurden
die Tilingschen
Versuche
als „Postraketen“
bezeichnet,
die Flugkörper
sollten möglichst
rasch Post auf
die vorgelagerten
Inseln transportieren.
Doch
erwiesen ist, dass Tilings Absichten
eindeutig von Anfang an
auf dem militärischen Gebiet lagen.
Er selbst zählte in einer
Aufstellung eine lange Liste militärischer
Anwendungsmöglichkeiten
seiner Raketen auf: Geschossrakete
für Land- und
Luftkrieg; Flugzeugbombe für
den Horizontalschuss; Lenkgeschoss
für große Entfernungen;
Antriebsmittel für Unterwassergeschosse;
Signalrakete; Nachrichtenmittel
mit Fernlenkung;
Zieldarstellung bei der Ausbildung
der Truppe in der Luftabwehr
. . .
Die militärische Verwendung
probte der Raketenpionier denn
auch vor begeisterten Marineleuten
auf Wangerooge. Er ließ
beispielsweise unter den Tragflächen
einer „Klemm 35“, ein
damals weltbekanntes Sportflugzeug
aus Holz, 33 Kilogramm
schwere Raketen von
zehn Zentimetern Durchmesser
und 1,5 Meter Länge montieren
und deklarierte das als „Bombenabwurf
nach vorn“. Tilings
Freund und Gönner Freiherr von
Ledebur berichtete als Augenzeuge:
„Er flog von Süden unsere
gewohnte Abschussstelle an.
Genau über ihr zeigte eine
Rauchwolke unter der Tragfläche
aus Holz und Stoff uns die
Zündung an. Dann schoss pfeilgerade
der Rauchschwanz der
Rakete, dem Flugzeug vorauseilend,
auf die See hinaus. Sekunden
später stieg fern am Horizont
eine Wassersäule auf,
den Einschlag anzeigend. Der
erste „Bombenabwurf nach
vorn“ – so bezeichnete es Tiling
nach der Landung war geglückt.“
Bei einem zweiten Start
schoss Tiling, wiederum erfolgreich,
im Sturzflug eine Rakete
auf eine am Boden gezeichnete
Zielscheibe ab.
Die militärische
Verwendung
probte der
Raketenpionier
denn auch vor
begeisterten
Marineleuten auf
Wangerooge.
Trotz der Begeisterung der Marineleute
war die Reaktion der
Marineleitung in Berlin allerdings
für Tiling und seine Freunde
enttäuschend. Einige Tage
später erhielt Reinhold Tiling,
dessen Verhältnis zu den Militärs
bekanntermaßen nicht ungetrübt
war – als ehemaliger Offizier
und Kriegsteilnehmer beklagt
er mangelndes Vertrauen
–, einen Brief, unterschrieben
vom damaligen Kapitän zur See
und späteren Generaladmiral
und Chef des Marinewaffenhauptamtes
Karl Witzell, in dem
in vier Zeilen mitgeteilt wurde,
dass „die Marine solche halsbrecherischen
Feuerwerkskunststücke
nicht mitmache“.
Der enttäuschte Tiling bat
nun um die Freigabe seiner „Geheim-
Patente“. Er bekam sie
und wandte sich an ausländische
Interessenten. Insbesondere
die Engländer waren auf Tilings
Versuche aufmerksam geworden.
Eine englische Militärkommission
hatte sich zu einer
umfangreichen Raketenvorführung
im Oktober 1933 angesagt.
Doch zuvor kam es zur Katastrophe.
Offenbar wurden die
Vorbereitungen in großer Eile
und Hektik getroffen. Am Nachmittag
des 10.
Oktober flog das
Tilingsche Labor
durch eine Explosion
in die
Luft. Ein Inferno
aus Flammen,
Rauch und
Trümmern. Der
gerade erst
40jährige Tiling
und seine zwei
Helfer, die Assistentin
Angelika
Buddenböhmer
und der
Monteur Friedrich
Kuhr, konnten
sich zwar
noch ins Freie
retten, doch einen Tag später
verstarben alle drei.
Einige Mitarbeiter versuchten
die Arbeit weiterzuführen.
Doch vergebens. Denn 1934
ließ die Heeresleitung die Werkstätten
in Ahrenshorst schließen
und beschlagnahmte alle
Akten und technischen Aufzeichnungen.
Das neue Regime
und seine militärischen Berater
hatten sehr schnell erkannt,
welche Möglichkeiten die Raketenentwicklung
bot. Das Heereswaffenamt
in Berlin zog die
gesamte deutsche Raketenentwicklung
zusammen. Am Ende
dieser Anstrengungen standen
Peenemünde und die V2, die
Riesenrakete, die nur vier Jahrzehnte
nach Tilings tragischem
Tod Grundlage für den Flug von
Menschen zum Mond sein sollte.
Der Vollständigkeit halber
sei noch erwähnt, dass Tilings
Grab auf dem Hasefriedhof in
Osnabrück zu finden ist, in
Bohmte erinnert ein Gedenkstein,
in Osnabrück eine Straße
und auf dem Mond ein Krater,
der nach ihm benannt wurde,
an den Raketenpionier.
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Admin » 19. Jul 2012, 07:46

Tanz- und Showabende sind bis heute legendär

Inselgeschichte 100 Jahre Haus Fresena auf Wangerooge
aus NWZ-Online vom 19.07.2012

Seine Blüte erlebte das Hotel Fresena in den 1950er bis 1970er Jahren. Viele Stars traten dort damals auf.

anz


Wangerooge - Als Hermann-Josef Bunte 1990/1991 das „Haus Fresena“ an der Wangerooger Zedeliusstraße umbauen ließ – aus den Hotelzimmern entstanden Ferienwohnungen und aus Speisesaal und Küche das Ladenlokal von „Ihr Platz“ – erlebte er eine Überraschung: Direkt unter dem Parkett des Tanzbodens erstreckte sich feinster Dünensand. Das „Haus Fresena“ wurde vor 100 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes“ auf Sand gebaut“.

Mit seinen vier Geschossen und einer Höhe von 18,60 Metern gehörte das Hotel Fresena schon zur Eröffnung 1912 zu den prägenden Gebäuden Wangerooges, berichtet Bunte in der Festschrift „100 Jahre Fresena“, die er zum Jubiläum veröffentlicht hat.


Hotel-Pläne seit 1904
Bereits 1904 hatte Claas Peter Freese das Grundstück an der Ecke Zedeliusstraße/Charlottenstraße gekauft, um dort wie auf Juist ein Grand-Hotel zu errichten. Im März 1912 konnte der Bau beginnen – 13 Wochen später war das Hotel Fresena fertig und wurde vom Mann von Freeses Tochter Theda Mathilde, Curt Dimler, betrieben.

1934 übernahmen dann die jüngste Tochter Freeses, Hilke Anna Johanne, genannt „Anni“, und ihr Mann Richard Haase den Hotelbetrieb. Das Fresena hatte damals bereits einen guten Namen in Wangerooges Badegesellschaft. Anni Haase war gelernte, aber auch geborene Gastronomin: Sie führte das Hotel durch 44 ereignisreiche Jahre – durch Wirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg, durch Zerstörung beim Bombenangriff am 25. April 1945 und Wiederaufbau.

Als zu Beginn der 1950er Jahre der Fremdenverkehr auf der Insel wieder einsetzte, begann auch die Blütezeit des Hotels Fresena: Viele Stars traten dort auf – Zarah Leander, Vico Torriani, Heinz Schenk, Heinz Erhardt, Billy Mo und Dieter Thomas Heck. Conférencier und Organisator war Horst Klemmer. Legendär sind bis heute die Tanzveranstaltungen im „Fresena“.

Doch Ende der 1970er Jahre zeichnete sich ab, dass Anni Haase und Geschäftsführer Günter Matetzki das Hotel so nicht würden halten können. Zum 1. Januar 1979 verkauften sie das Haus an den Caritas-Verband Dortmund – und beendeten die Ära des Hotels Fresena: Aus dem Hotel wurde das „Haus Fresena“, Caritas-Heim für Senioren, Familien und behinderte Menschen.

1990 beschloss der Caritas-Verband, sich zu vergrößern, und kaufte das größere Hotel Germania an der Strandpromenade Ost. Das Haus Fresena erwarben Professor Dr. Hermann-Josef und Renate Bunte aus Hamburg.

1990 neu konzipiert
Wieder wurde neu konzipiert: Aus den Zimmern wurden zwölf Ferienwohnungen, die das Hotel Upstalsboom mitvermietet, im Erdgeschoss entstanden Ladenlokale für „Ihr Platz“, das Café Treibsand und Frisör Flämig, die große Doppel-Freitreppe verschwand. Im ehemaligen Blumenpavillon Brüggerhoff, der einst genau zwischen den beiden Treppenaufgängen stand, gibt es heute Kunsthandwerk und Postkarten.

„Das Haus Fresena ist ein markantes baugeschichtliches Denkmal für den Inseltourismus seit Beginn des 20. Jahrhunderts“, betont Bunte. Dieser Tradition fühle er sich in besonderem Maß verpflichtet.
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Beitragvon Salzufler » 2. Feb 2013, 17:34


Winter 1963
Stunden zwischen Leben und Tod

-aus NWZ-

Zwei 12- und 13-jährige Jungen verbrachten 17 Stunden auf treibender Eisscholle
Vor 50 Jahren sorgte das unfreiwillige Abenteuer der beiden Cousins für Schlagzeilen. Bei minus 15 Grad trieben sie hilflos auf der Jade.
von
Oliver Braun und Theodor Kruse



Wangerooge/Cäciliengroden -

Der Winter 1963 war kalt und eisig:
Mitte Januar war das Wattenmeer von einer dicken Eisschicht bedeckt – unpassierbar für Schiffe zu den Inseln.



Erinnerungen an ein eiskaltes Abenteuer

Auf Wangerooge wurde am 19. Januar der „Eisnotdienst“ ausgerufen: Bis zum 8. März hielt das Packeis die Insel in ihrem kalten Griff – versorgt wurde Wangerooge mit Hilfe von Hubschraubern des Heeres von der Basis Wittmundhafen aus und mit einmotorigen Flugzeugen, die in Mariensiel starteten. Lebensmittel, Viehfutter, Heizöl und Kohle gehörten zu den wichtigsten Transportgütern.

Lebensbedrohlich wurde der eisige Winter für Dieter Theilen (63) und Peter Frerichs (62) aus Cäciliengroden: Als 1963 zwölf und 13 Jahre alte Jungen trieben sie 17 Stunden lang auf einer Eisscholle durchs Wattenmeer. Wenn die beiden Jungen geahnt hätten, was ihnen bevorstand, dann hätten sich Dieter Theilen und Peter Frerichs Schal und Mütze, lange Un­terhosen, Handschuhe und dicke Jacken angezogen – so, wie die Mutter ihnen noch hinterher gerufen hatte, als sie zum Spielen im Schnee und Rodeln am Deich aus der Tür stürmten.

Wattenmeer zugefroren

Wochenlanger Frost hatte Felder und Seen mit einem Eispanzer überzogen. Sogar die Jade war zugefroren. Weit draußen im Wattenmeer beim alten Leuchtturm türmten sich dicke Eisschollen zu einem Eisberg auf. „Da wollten wir hin“, sagt Dieter Theilen.

So machten sich die beiden besten Freunde auf den Weg durch die hartgefrorenen Salzwiesen, weit hinaus auf das Jade-Eis. Der eine nur in dünner Jacke, der andere im Rollkragenpullover. Dann knackte unter ihren Füßen das Eis. . .

Unheimliche Nacht

Wenn Dieter Theilen und Peter Frerichs, heute 62 und 63 Jahre alt, an die Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1963 zurückdenken, dann bekommen die beiden noch immer Gänsehaut. „Eigentlich können wir am Donnerstag unseren 50. Geburtstag feiern“, sagt Peter Frerichs, der wie sein Cousin seit einigen Jahren wieder in Cäciliengroden wohnt. Ihre unheimliche Nacht bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad auf einer treibenden Eisscholle im Wattenmeer machte vor 50 Jahren bundesweit Schlagzeilen.

17 Stunden lang harrten die beiden Jungen hilflos aus, bis gegen 10 Uhr am Morgen Rettung aus der Luft nahte und ein Hubschrauber die beiden unfreiwilligen und beinahe steifgefrorenen Abenteurer vom Eis holte.

Am Nachmittag zuvor hatte das auflaufende Wasser die Eisschollen in der Jade zusammengeschoben. Unbemerkt von den anderen Kindern am Deich machten sich Dieter und Peter auf den lebensgefährlichen Weg über das Wasser, den Eisberg als Ziel vor Augen. „Wir glaubten ja, wir haben festen Boden unter den Füßen“, sagt Frerichs und deutet mit seinen Händen die Dicke der Eisschollen an. Doch die eisigen Platten kamen gefährlich in Bewegung, als das Wasser ablief. Die Scholle schwankte. „Und dann bin ich ins Wasser gefallen“, sagt Dieter Theilen.

Bis zur Hüfte rutschte der 13-Jährige ins eiskalte Wattenmeer. Panisch vor Angst suchte er Halt, Peter packte ihn bei den Armen und musste aufpassen, selbst nicht auch ins Wasser zu fallen, zog seinen Cousin zu sich auf die tischplattengroße Eisscholle. Dieter und Peter riefen um Hilfe. Doch niemand hörte, niemand sah die Jungen.

Dafür sahen sie, wie in unerreichbarer Ferne Scheinwerfer die Umgebung am Deich absuchten. Längst war es dunkel geworden, Nebel breitete sich wie ein eisiges Leichentuch über das Wasser aus. Im Dorf wurden die Jungen bereits vermisst, niemand hatte sie seit dem Nachmittag mehr gesehen.

„Dann haben wir angefangen zu heulen“, sagt Dieter Theilen. „Aus Wut und aus Verzweiflung.“ Und weil die unerbittliche Kälte immer tiefer in die Knochen kroch.

Frierend, in gefrorenen Hosen und völlig orientierungslos hockten die beiden auf der Eisscholle, die erst Richtung Ölhafen und mit ablaufendem Wasser allmählich aufs Meer hinaustrieb. „Wir hatten nur eine Jacke dabei“, sagt Peter Frerichs. Die zogen sie gemeinsam an: Einer schlüpfte in den linken, der andere in den rechten Ärmel, um sich wenigstens ein bisschen zu wärmen. Auch die Mütze wurde geteilt.

Rettung aus der Luft

Stunde um Stunde verging. Wenn einer heulte, dann sprach ihm der andere Mut zu. „Irgendwie ist es uns gelungen, uns die ganze Nacht gegenseitig wachzuhalten und in Bewegung zu bleiben – sonst wären wir sicher erfroren“, sagt Peter Frerichs.

Peter und Dieter hatten mit dem Leben beinahe abgeschlossen, als über ihnen ein in Upjever stationierter SAR-Hubschrauber auftauchte – und wieder abdrehte. „Der hat uns nicht gesehen“, dachten die Kinder.

Tatsächlich war längst eine groß angelegte Suche gestartet. Der Hubschrauber hatte die Kinder entdeckt, musste für die Rettung über See allerdings noch eine Zwischenlandung in Mariensiel einlegen – und kehrte bald darauf zurück. Der Rettungspilot, ein junger Leutnant mit seinem Team, musste großes fliegerisches Können aufbringen: Er musste tief genug über der Eisscholle heruntergehen und zugleich hoch genug bleiben, damit der eisige Wind der Rotoren die Scholle nicht zu stark ins Schaukeln brachte und die Jungen womöglich ins Wasser fielen.

Das Manöver dauerte etwa zehn Minuten: Mit einem simplen Rettungsring wurden die völlig entkräfteten und durchgefrorenen Jungen an Bord geholt und nach Mariensiel geflogen. Von dort ging es ins Krankenhaus Sanderbusch, wo die Eltern sie erleichtert in die Arme schlossen.

„Lange hätten wir nicht mehr durchgehalten“, sagt Dieter Theilen. Nach ein paar Tagen durfte sein Cousin Peter nach Hause, er hatte die unheimliche Nacht im Eis ohne Schäden überstanden. Dieter aber blieb einige Wochen in der Klinik, er trug von der Kälte Diabetes davon.

Ihren Retter haben sie 25 Jahre später wiedergetroffen, die Bundeswehr stellte den Kontakt her. Einen Nachmittag lang tauschten die drei ihre Erinnerungen an das dramatische Abenteuer im Eis aus. Was aus dem inzwischen fast 80-jährigen Piloten geworden ist, wissen Dieter Theilen und Peter Frerichs nicht.

Beide Jungen schworen sich, nie wieder eine Eisfläche zu betreten. Und tatsächlich haben die beiden nie wieder Schlittschuhe angezogen, waren nie mehr Eislaufen auf dem Ems-Jade-Kanal und wagten sich auf keine zugefrorenen Gewässer mehr. Und auch ohne dicke Winterkleidung gehen sie in diesen Tagen nicht vor die Tür.

NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter www.nwz.tv/friesland
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Re: Für Nostalgiker

Beitragvon Salzufler » 15. Feb 2013, 12:55

Erinnerung an Stunden der Angst

-aus NWZ-
Dieter Theilen und Peter Frerichs treffen ihren Lebensretter wieder
Pilot Dietrich Schmeidler (73) hatte das Duo 1963 von einer Eisscholle gerettet. Sein Sohn Dirk fädelte das Treffen ein.

von
Stefan Idel



Ahlhorn/Cäciliengroden - „Ihr habt das ja ganz gut überstanden“, flachst Dietrich Schmeidler. Tatsächlich ist er beim Wiedersehen doch gerührt. Vor 50 Jahren hat der 73-Jährige als Pilot der Luftwaffe Dieter Theilen (63) und seinen Freund und Cousin Peter Frerichs (62) mit dem Helikopter gerettet. Auch die beiden Männer aus Cäciliengroden suchen nach Worten, als sie ihrem Retter im Museum der „Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn“ gegenüberstehen. Zuletzt hatten sie den Stabsfeldwebel a.D. vor 25 Jahren gesehen.

Schwerer Flug im Nebel



Wiedersehen mit Retter

Das Treffen am Sonntag hatte Dirk Schmeidler (48), Sohn des einstigen Piloten, angeschoben. Der Ahlhorner hatte in der NWZ  den Bericht über die Rettungsaktion vor 50 Jahren gelesen und dann telefonisch Kontakt geknüpft. Sein Vater, der inzwischen in Vechta lebt, sei ganz gerührt gewesen. Und auch Frerichs meint: „Ohne die NWZ  hätte dieses Treffen wohl nicht stattgefunden.“

Der eiskalte Winter 1963 ist allen noch gut in Erinnerung: Das Packeis hielt die Inseln im Griff. Wangerooge wurde mit Hilfe von Hubschraubern der Bundeswehr versorgt. Am 30. Januar gingen Theilen und Frerichs, damals zwölf und 13 Jahre alt, zum Spielen aufs Eis. „Wir wollten zum Leuchtturm Arngast“, erzählt Frerichs. Doch die Eisplatten gerieten gefährlich in Bewegung. Theilen rutschte ins eiskalte Wasser. Sein Cousin Peter zog ihn zu sich auf die tischplattengroße Eisscholle. „Und auf einmal war gut 20 Meter nur schwarzes Wasser hinter uns.“

Die Kinder riefen um Hilfe. Längst war es dunkel geworden und eiskalter Nebel breitete sich aus. Frierend trieben die Jungs Richtung Meer. Erst nach 17 Stunden nahte Hilfe.

Auch Schmeidler kann sich gut erinnern: „Im Nebel war schwer zu fliegen“, so der Pilot, der schon bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg viele Menschen gerettet hat. Gemeinsam mit Co-Pilot Erhard Schülzel, der bereits verstorben ist, sah er die Kinder auf der Scholle – und musste mit dem Hubschrauber wieder abdrehen. „Wir dachten, das war’s“, erzählt Theilen.

Rettungsgurt angelegt

Schmeidler klärt auf: Er musste erst die Rückwand des Helikopters (im Fachjargon „Blister“ genannt) auf dem Deich absetzen, um die Kinder aufnehmen zu können. Dann flog der gebürtige Berliner zurück und holte die Kinder mit Hilfe von Winde und Rettungsgurt an Bord. Die Abenteurer wurden ins Krankenhaus Sanderbusch gebracht, wo sie warme Decken und Essen erhielten. „An die frischen Brötchen kann ich mich erinnern“, so Frerichs. Pilot habe er aber später nie werden wollen, lacht der langjährige Bahn-Angestellte.

Peter Pasternak, Vorsitzender des Museumsvereins, und weitere Vereinsmitglieder zeigten den Gästen die Ausstellung. Auch Gisela Frerichs ist beeindruckt. Schmeidler holt das Modell eines Rettungshubschraubers vom Typ „Bristol Sycamore“ aus der Vitrine. „Da saßen wir damals drin.“ Mutig legt sich Frerichs sogar einen Rettungsgurt um, wie er sich auch an Bord des SAR-Hubschraubers befand. „Noch mal muss ich aber nicht vom Eis in die Höhe gezogen werden“, sagt der 62-Jährige. Das Trio trägt sich ins Gästebuch des Museumsvereins ein und verabredet ein Wiedersehen. „Ob wir das zum 100sten schaffen, kann ich nicht versprechen“, sorgt Ex-Pilot Schmeidler noch einmal für einen Lacherfolg.
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Beitragvon Salzufler » 9. Apr 2013, 10:55

Nordwestradio Journal

Vor 50 Jahren: Die Havarie des Schiffes "Maasdam"
Es hätte ein Fest werden sollen: die Ankunft des Passagierschiffs "Maasdam" an der Columbuskaje in Bremerhaven am 15. Februar 1963. Die niederländische "Holland-Amerika-Linie" wollte mit dieser Fahrt eine neue Ära einleiten. Bremerhaven sollte zum Ausgangs- und Endpunkt der Linie nach New York werden. Doch die Festreden landeten ungehalten im Papierkorb. Das Schiff verunglückte.



Morgens gegen acht Uhr riss sich das Schiff an zwei Wracks vor der Wesermündung den Bug auf. Der Unfall hätte zur Katastrophe werden können. Nordwestradio-Reporter Jens Schellhass hat einen Zeitzeugen besucht.

Vor 50 Jahren: Die "Maasdam" schlägt in der Wesermündung Leck

"Ich lag noch in der Kabine gegen 7.30 Uhr morgens, es gab ein furchtbares Krachen und Bersten von Metallteilen und auch Holz, wie sich später herausstellte. Bei diesem Krachen und Bersten bin ich als erstes, in der Annahme es sei ein schweres Unglück, an Deck gelaufen und fing natürlich furchtbar an zu frieren bei der Kälte. Dann hatte ich aber doch noch die Möglichkeit, zurück in die Kabine zu gehen und dort mein Aufnahmegerät zu holen." So spricht ein Vollblut-Reporter.

Die Liebe zu Schiffen ist geblieben
Lothar Bagemihl lebt heute in einer Seniorenwohnanlage in Lübeck-Travemünde, direkt an der Einfahrt zur Ostsee. Schiffe in Öl auf Leinwand in üppigen Goldrahmen und Seekarten gibt es in seinem Zimmer. In den Regalen kleine Modelle riesiger Luxusliner. Dann ein kleines, braunes Tonband mit dem Originalton vom 15. Februar 1963:

"Es ist 8.42 Uhr. Die Boote gehen jetzt zu Wasser – das sind die Geräusche, die Sie hören, verehrte Hörer. Die Maasdam hat mehr Schlagseite erhalten. Wir hängen jetzt zwischen dem Deck und dem Wasser. Die Schlagseite des Schiffes hat weiter zugenommen. Wir werden also sofort, so hoffen wir, heil auf das Wasser herunterkommen."


Quelle: Lothar Bagemihl

NDR-Reporter Lothar Bagemihl berichtete aus dem Rettungsboot.

Es ist gerade eine Stunde vergangen, seit sich die Maasdam in Höhe der Insel Wangerooge – dort, wo sich der Schifffahrtsweg in Richtung Elbe und Weser teilt – mit zwölf Knoten Fahrt den Bauch aufgeschnitten hat. Wasser dringt ein durch einen 21 Meter langen Riss und ein weiteres gigantisches Loch im Schiffsboden. Jetzt bringen sich 230 Passagiere und 170 Besatzungs-Mitglieder in Rettungsbooten in Sicherheit. Unter ihnen ist Lothar Bagemihl, damals Reporter für den NDR. Er berichtet:

"Noch immer herrscht dichtes Schneetreiben. Die Sonne versucht an einer Stelle durchzukommen. Und jetzt geht es weiter. Wir fahren an der Bordwand des Schiffes – Sie hören vielleicht die Geräusche – herunter auf das Wasser. Das ist ein furchtbares Schaukeln.

Um ein Haar wären wir auf ein anderes Rettungsboot drauf gefahren. Wir stehen jetzt an der Bordwand genau über einem anderen Rettungsboot, was vor uns heruntergekommen ist.

Das Unglück ist eine Verkettung fataler Umstände. Die Sicht beträgt an diesem Morgen nur 100 Meter. Es herrscht dichtes Schneetreiben. Eisgang hatte zwei Wracktonnen um rund 400 Meter verschoben, nicht aber die Wracks darunter. Die Maasdam ist in einen Schiffsfriedhof geraten.

Schweres Wetter, die Frisur sitzt
Mit strengem Seitenscheitel, vielleicht mit einer Spur Pomade im Haar, sodass jedes Härchen dem Kammstrich Folge leistet, berichtet Lothar Bagemihl schon aus dem Rettungsboot und funkt später von einem Fischtrawler aus über "Norddeich Radio" in den Äther.

Die Maasdam selbst wird für zwei Millionen Mark beim Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven repariert und nimmt mit zweimonatiger Verspätung den Linienverkehr nach New York auf. Der Schiffsfriedhof vor Wangerooge wird noch im gleichen Sommer gesprengt und abgetragen, nachdem die Eigentümer ihre Einwilligung gegeben hatten.

Und Lothar Bagemihl? Er ist heute 85. Sein Haar ist weiß und noch immer gut gescheitelt. Von seinem Ohrensessel aus blickt er in die Einfahrt zur Ostsee, von wo aus täglich die großen Pötte nach Skandinavien ablegen. Die "Maasdam" und die Angst, die er ausgestanden hatte, damals, am 15. Februar 1963, die wird er nie vergessen.
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Beitragvon Salzufler » 2. Mai 2013, 12:57

-aus Wilhelmshavener Zeitung-:
Gestern und Heute - 27.04.2013



Wangerooge - Seit 128 Jahren eine Gemeinde


Die politische Gemeinde Wangerooge besteht genau 128 Jahre. Das „125-Jährige“ feierte man mit einem großen Festakt in der Dünenhalle und vielen anderen Veranstaltungen.


Von Jürgen Peters



Wangerooge - Nachdem das 1327 erstmals urkundlich erwähnte Wangerooge 1793 russisch, 1807 holländisch, 1810 französisch und 1813 wiederum russisch war, fiel die Insel 1818 an das Großherzogtum Oldenburg. Seitdem ist sie die einzige oldenburgische Insel unter den sieben „ostfriesischen Inseln“.


Im Januar 1885 beschloss die Oldenburgische Regierung, dass die Inselgemeinde mit Wirkung vom 1. Mai des Jahres an ihre Selbstständigkeit erlangen sollte. Wangerooge wurde somit zu einer eigenständigen Gemeinde. Erster Amtsvorsteher wurde Conrad Christian Janßen.

Doch bis zu dieser politischen Entscheidung war es ein weiter und manches Mal kurioser Weg. Nach der großen Flut 1854/55 hielt die Abwanderung der Insulaner zum Festland an. Nur noch 90 Einwohner lebten auf Wangerooge. Das Großherzogtum Oldenburg dachte darüber nach, die Gemeinde Wangerooge aufzulösen und bestimmte, „der Bezirk der Gemeinde Wangerooge wird der Gemeinde Minsen als eine Bauernschaft zugelegt“. Damit hatte tatsächlich die Gemeinde Wangerooge aufgehört zu existieren.

Doch Bauern und Insulaner haben „dicke Schädel“. In Minsen dachte man gar nicht daran, sich für Wangerooge zuständig zu fühlen. „Der Minsener Rat beschwerte sich beim Innenministerium in Oldenburg, dass man ihn nicht gefragt habe, ob er die Zuordnung der Bauernschaft Wangerooge überhaupt wünsche“, berichtet Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens.

Aber auch die inzwischen nur noch 82 Insel-Bewohner waren über die verordnete Bindung an Minsen nicht glücklich. Sie wollten selbstständig bleiben. Immer wieder richteten sie Gesuche an den Rat von Minsen, an das Amt in Jever und die Regierung in Oldenburg.

Die Hartnäckigkeit der Insulaner unter Führung ihres Bezirksvorstehers Conrad Christian Janßen brachte schließlich Bewegung in die Sache. Oldenburg wollte die Bildung einer selbstständigen Gemeinde jedoch erst dann zulassen, wenn sich auf der Insel die Verwaltung einer Ortsgemeinde – bei weiterer Zugehörigkeit zu Minsen – bewährt hätte.

Das Gerangel ging weiter. Hans-Jürgen Jürgens berichtet: „Am 2. Juli 1883 kam es zur Wahl von sechs Ausschussmitgliedern und drei Ersatzmännern. Als Urkundspersonen waren der Lehrer Sophus Osterloh und der interimistische Vogt Hanken zugegen. Schon vor Beendigung der Wahl entfernten sich Hanken und weitere Bürger, und es zeigte sich, dass von den 17 erschienenen wahlberechtigten Bürgen nur neun an dem Wahlakt, der zwei Stunden gedauert hatte, teilgenommen hatten.

Drei Tage später schrieb Hanken einen von weiteren 14 Wangeroogern unterschriebenen Brief an das Amt und forderte, die Wahl müsse wiederholt werden, da die meisten Wangerooger den Wahltermin nicht hätten wahrnehmen können.

Die Regierung leitete eine Untersuchung ein. Dabei kam heraus, dass dem Amtsboten Rischmeyer von 23 der 26 wahlberechtigten Bürger zugesichert worden war, zur Wahl zu erscheinen. Die Beschwerde wurde vom Ministerium kostenpflichtig abgewiesen.“

Jürgens zitiert den Brief des Minsener Amtsvorstehers, der um Auskunft gebeten wurde. Dieser schrieb: „Ich finde es ziemlich unartig von dem alten werthen H., . . . nicht ganz bei der Wahrheit zu bleiben. Die Eigenart der Wangerooger ist bekannt, und ich bin sorgfältig bemüht gewesen . . ., aber die bislang stattgehabten Verhandlungen und Beschlussfassungen offenbarten bei dem Völkchen eine große Zerfahrenheit und Uneinigkeit untereinander, welche in Ansehung der geringen Einwohnerzahl und der insularen Abgeschiedenheit sonderbar erscheint und nicht absehen läßt, wie dort je in allgemeiner Zufriedenheit ein selbständiges Gemeindewesen eingerichtet und geführt werden wird.“

Die Dinge zur Verselbstständigung der Inselgemeinde nahmen dennoch ihren Lauf. Am 19. Januar 1885 kam das Gesetz zur Bildung der Gemeinde heraus. Zimmermeister Conrad Christian Janßen wurde von den Insulanern einstimmig zum Gemeindevorsteher gewählt, seine Wahl nach Jever und Oldenburg gemeldet. Janßen hatte damit sein seit etwa 15 Jahren angestrebtes Ziel erreicht.

Fünf Jahre später, am 1. Juli 1890, wurde die erste Dampferverbindung von Carolinensiel nach Wangerooge aufgenommen, und zwar von der an der ostfriesischen Küste traditionsreichen Reederei Warrings. Weitere zwei Jahre später, am 3. Juli 1897, fuhr der erste Zug vom Sommeranleger – dem heutigen Westanleger – in den Ort. Damals befand sich der Bahnhof im Rosengarten.

Um diese Zeit begann man auf der Insel auch mit dem Bau der ersten Hotels und Pensionen. 1906 baute der Norddeutsche Lloyd den Ostanleger, der 1958 wegen ständiger Versandung wieder aufgegeben wurde. 1906 mauerte man auch den heutigen Bahnhof auf. Die Insel Wangerooge hatte einen Durchgangsbahnhof. Denn neben dem neuen Ostanleger gab es ja schon seit 1897 den heutigen und inzwischen mehrfach umgebauten modernen Westanleger, der bis dahin Sommeranleger hieß. Tausende von Gästen kamen in den folgenden Jahren auf die Insel. Im Jahr 1913 zählte man bereits rund 17 000 Besucher.

Weitere markante Daten aus der von Hans-Jürgen Jürgens zusammengetragenen Zeittafel: 1910 Eröffnung der ersten Privatschule. Mit der Einführung des Seebäderflugverkehrs 1920 wird die Anreise auf die Insel schneller und moderner. Am 1. November 1923 gründet sich die Freiwillige Feuerwehr.

Im Jahre 1928 wird ein Wasserwerk in den Osterdünen gebaut, es hat vier Brunnen, die beim Bombenangriff am 25. April 1945 zerstört werden. Um 1900 gab es bei den Hotels eigene Brunnen – neben drei öffentlichen, aus denen das Grundwasser für den täglichen Bedarf floss. Am 22. Dezember 1930 geht der auch heute noch bestehende Flugplatz in Betrieb. 1933 wird der neu errichtete Westturm eingeweiht.

Der schwärzeste Tag in der jüngeren Inselgeschichte ist der 25. April 1945. Mehr als 6000 Bomben fielen auf Wangerooge. Über 300 Tote – Insulaner, Soldaten und Fremdarbeiter – waren zu beklagen. Fast 80 Prozent des Dorfes lagen in Schutt und Asche. So musste auch Wangerooge nach dem Krieg praktisch vollkommen neu aufgebaut werden.

1950 wurde im Jadewäldchen ein neues Wasserwerk gebaut. Seine sieben Brunnen reichten jedoch bald schon nicht aus, um den durch den wachsenden Fremdenverkehr rasant steigenden Wasserbedarf in der Saison zu decken. Die Gemeinde war genötigt, in trockenen Sommern zum Wassersparen aufzurufen.

Am 16. Februar 1962 brach bei der großen Sturmflut der Deich. Bundeswehr und Inselbevölkerung schlossen Tage später den Durchbruch mit Sandsäcken. Im Herbst 1962 und im Frühjahr 63 wurde eine doppelte Kunststoffleitung vom Festland zur Insel verlegt – als erste Trinkwasserleitung durch das Wattenmeer. Am 5. Mai floss das erste „offizielle“ Wasser, und Wangerooge ist seitdem an das Versorgungsnetz des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes angeschlossen.

1969 ging der neue Leuchtturm im Westen in Betrieb. 1972 kaufte die Gemeinde für eine symbolische Mark den alten Leuchtturm. Am 31. August wurde er als Aussichtsturm eingeweiht. Heute ist er beliebtes Ausflugsziel, in der „Traustube“ – im ehemaligen Leuchtturmwärterzimmer – haben sich bis heute annähernd 4000 Paare das „Ja-Wort“ gegeben.

1975 wurde eine feste Landebahn auf dem Flugplatz angelegt. 1985 verlegte man eine Gasleitung vom Festland zur Insel. Bis 1986 bestimmte das Land die Angelegenheiten des Fremdenverkehrs. Wangerooge war Niedersächsisches Staatsbad. Nach fünfjähriger Probephase ging die Kurverwaltung nun auf die Gemeinde über.

Seit 1996 werden das Bürgermeisteramt und der Kurdirektorenposten in Personalunion ausgeübt. Die Wangerooger wählten Holger Kohls zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister, der Rat setzte ihn auch als Kurdirektor ein. Kohls, der erst kürzlich für seine Verdienste um die Inselgemeinde mit der Friesland-Medaille des Landkreises ausgezeichnet worden ist, war zuvor stellvertretender Stadtdirektor in Jever. Als letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin Wangerooges schied Bärbel Herfel 1996 nach dreijähriger Ausübung dieses Postens aus dem Amt.

2004 feierte die Insel ihr großes Jubiläum „200 Jahre Nordseebad Wangerooge".
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