Im Nebel, 20. Juli 1997

Wer kann eine schöne Geschichte von damals erzählen?
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 782

Im Nebel, 20. Juli 1997

Beitragvon Bina » 19. Jan 2011, 17:35

Es war der 20. Mai 1997, eigentlich ein Tag wie jeder andere auch. Da ich am nächsten Tag wieder in Jever zur Schule musste, machte ich mich auf dem Weg zum Bahnhof. Im Rucksack hatte ich mir die Fragebögen für die Fahrschule gepackt um auf dem Schiff noch ein wenig lernen zu können. Ich war gerade auf dem Bahnsteig angekommen und hatte bis zur Abfahrt noch eine halbe Stunde Zeit. Da ertönte der Gong und die Ansage: „In den Vorzug zum Westanleger mit Schiffsanschluß nach Harlesiel bitte einsteigen. Es verkehrt das Motorschiff „Harlingerland“.
Ich stiegt ein, mit dem Gedanken das es ja egal war, ob ich jetzt noch eine halbe Stunde auf dem Bahnsteig rumstehen würde oder ob ich später eine halbe Stunde länger auf den Tibebus warten müsste.
Da wußte ich aber noch nicht, dass es an diesem Tag einen ganz erheblichen Unterschied machen würde ob man mit der „Harlingerland“ oder mit der „Wangerooge“ fahren würde.
Nach der Zugfahrt ging ich auf die „Harlingerland“ und setzte mich in den unteren Salon auf die rechte Schiffsseite wo ich etwas Ruhe zu lernen hatte. Ich holte meine Fragebögen aus dem Rucksack und vertiefte mich in die Aufgaben. Als ich irgendwann von meinen Fragebögen aufblickte, bemerkte ich das wir in eine Nebelbank gefahren waren, die so dicht war dass, man höchstens 5 Meter weit sehen konnte.
Mich interessierte das aber wenig und ich konzentrierte mich weiter auf meine Fragebögen.
Auf einmal gab es einen harten Schlag, das Schiff bebte und zitterte, Gegenstände flogen von den Tischen und ich hörte die Geräusche als Metall an Metall entlang kratzte, laut, unheimlich, angsteinflößend.
Alle 392 Passagiere waren voller Panik aufgesprungen, redeten laut durcheinander und suchten im Nebel nach der Ursache der Geräusche. Wie ein Geist waren dort im Nebel die Umriese eines anderen Schiffes zusehen, das jetzt langsam wieder auf Abstand zur „Harlingerland“ ging.
Mein Herz war am rasen. Was war gerade geschehen und wie würde es weitergehen.? Keiner wusste es.
Die Mutter, die hinter mir gesessen hatte, hatte schon die Sitzbank hoch geklappt, wo die Rettungswesten verstaut waren. Nach quälend langen Minuten voll Panik und Ungewissheit, meldete sich der Kapitän über die Lautsprechanlage: Es habe eine Kollision mit der „Jens Albrecht III“ gegeben, aber es bestehe keinen Grund zur Panik. Beide Schiffe würden in den nächsten paar Minuten aus eingener Kraft die Fahrt nach Harlesiel wieder auf nehmen.
Die Leute beruhigten sind ein wenig, redeten aber bis zum Ende der Fahrt weiterhin aufgeregt über das was gerade passiert war und ich packte meine Fragebögen wieder ein, ich konnte mich eh nicht mehr auf die Fragen konzentrieren.
In Harle angekommen war die Aufregung immer noch groß, dort standen schon mehrere Rettungswagen und ein Hubschrauber für die 14 Verletzten auf der „Jens Albrecht III“. Auf der „Harlingerland war zum Glück keiner verletzt, der behandelt werden musste.
Als wenig später die „Wangerooge“ in Harlesiel ankann wunderten sich die Leute auf dem Schiff über den Trubel, der dort am Anleger herrschte, ihre Fahrt war aber ereignislos verlaufen wie eh und je.
Und auch ich hatte in 30 Jahren nur einmal das zweifelhafte Vergnügen an so einer Fahrt teilnehmen zu dürfen und dass, obwohl ich zeitweise wöchentlich zur Insel hin und her gefahren bin.
Inselhopper Bina
Benutzeravatar
Bina
||
 
Beiträge: 31
Registriert: 01.2011
Highscores: 3
Geschlecht:

Zurück zu "Geschichten aus der guten, alten Zeit"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron